Entdecken: Aktueller Sonderfund

Die Dauerausstellung des MiBERZ wird regelmäßig durch besondere Funde ergänzt. Es handelt sich hierbei oft um neu entdeckte Funde oder besondere organische Objekte, welche nun der Öffentlichkeit präsentiert werden können, da ihre oft aufwendige Restaurierung nun abgeschlossen ist. Finden Sie heraus, was diesmal im MiBERZ auf Sie wartet!

"Euro" des Mittelalters: Der Prager Groschen

Foto: LfA Dresden, Forßbohm
Foto: LfA Dresden, Forßbohm

Diese Silbermünze besteht aus 3,6 Gramm Silber und wurde unweit des Dippoldiswalder Stadtzentrums gefunden. Sie stammt aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts, als Wenzel II. (1271-1305) König von Böhmen war.

Die Vorderseite zeigt die böhmische Krone und die Nennung des Herrschers. Auf der Rückseite, durch die Faltung nicht sichtbar und sehr schlecht erhalten, befindet sich die Darstellung des böhmischen Löwen und das Münznominal.

Der Fund repräsentiert die Übergänge der Währungssysteme von den lokalen Brakteaten zum überregionalen Groschen, der in Meißen ab 1338 nach Prager Vorbild geprägt wurde. Ob der Groschen absichtlich gefaltet oder durch Bodenerosion zerdrückt wurde, kann heute nicht mehr rekonstruiert werden

 

Bisherige Sonderfunde

Ein glücklicher Griff in`s Klo: Aus der Latrine in die Vitrine

Latrinen sind wahre Schatzgruben für Archäologen. Erhalten sich in diesem feuchten Milieu doch auch viele organische Objekte, die andernorts zerfallen.

Im Mittelalter sind sie auch ein Ort für Abfall, welcher uns Einblick in die Alltagskultur gibt. Neben zerbrochenen Töpfen, Schalen oder einer Schaufel, landen auch außergewöhnliche Objekte

– archäologische Highlights – im stillen Örtchen.

Ob Absicht oder Versehen bleibt uns verborgen. Sie erzählen von Geldgeschäften, exquisitem Tafelgeschirr, Handwerk oder Spielalltag einer florierenden Bergstadt.

Die Funde stammen aus hochmittelalterlichen Latrinenschichten einer Stadtkerngrabung in Freiberg, die vom Landesamt für Archäologie Sachsen durchgeführt wurde. Sie sind hier erstmals öffentlich zu sehen. Dabei handelt es sich um eine Brakteaktendose aus Messing, einen gedrechselten Holzpokal, ein Holzschwert und Keramikfragmente.

 
 

Konserviert vs. nicht-konserviert

Vitrine aus der Ausstellung mit den neuen Sonderfunden

Bei den Funden handelt es sich um sechs Sprossen einer hochmittelalterlichen Fahrt. Diese wurden 2010 in Dippoldiswalde in einem Altbergbauschacht bei der Pension Göhler geborgen. Die Sprossen, die um 1200 datieren, waren dort noch in situ verbaut.

Die Sonderfunde rücken dieses Mal die archäologische Restaurierung in den Mittelpunkt. Drei der Sprossen sind konserviert, die drei anderen nicht. Die Unterschiede sind deutlich zu sehen. So weisen die drei nicht konservierten Objekte starke Verfallspuren, wie Rissbildungen, auf. Die drei konservierten Sprossen hingegen konnten in ihrer Struktur und ihren Dimensionen weitgehend erhalten werden.

In der wassergesättigten, sauerstoffarmen Umgebung, wie sie oft im Altbergbau unter Tage auftritt, bestehen gute Erhaltungsbedingungen für Holz. Diesem Umstand haben wir die zahlreichen Holzfunde aus den mittelalterlichen Bergwerken in Dippoldiswalde zu verdanken.

Werden die Hölzer bei ihrer Bergung aus diesem Milieu entnommen, kommt es zur stetigen Zersetzung der Holzzellen in den Objekten. Bei unkontrollierter Trocknung würden die Hölzer stark schrumpfen und die Zellen schließlich kollabieren. Aus diesem Grund werden sie sofort luftdicht verpackt und bis zur Reinigung feucht und kühl zwischengelagert.

Nach einer ausgiebigen Wässerung wird ein Festigungsmittel in das Holz eingebracht. Dieses Mittel dringt in die Zellwände der Hölzer ein, lagert sich anstelle des Wassers an und verhindert so die Schrumpfung des Objekts und das Kollabieren der Zellen. Die Tränkung dauert zwischen mehreren Monaten und einigen Jahren. Danach werden die Hölzer mittels einer Vakuumgefriertrocknung getrocknet und noch einmal gereinigt.

Bodenstein einer Handmühle

Diese Handmühle wurde durch Menschenkraft im Kreise gedreht und zum Mahlen der Erze genutzt. Sie bestand aus zwei Teilen – einem Bodenstein und einem Läufer. Der Läufer passte genau in die Vertiefung des Bodensteins und drehte sich um eine eiserne Achse.

Das Erz wurde durch die Öffnung des Läufers eingeführt, glitt nach unten und wurde so zu Mehl gemahlen. In die Öffnung wurde sehr wahrscheinlich gleichzeitig Wasser gegossen, damit das fertige „Mehl“ aus der seitlichen Öffnung des Bodensteines herausgespült wurde.

Anhand ihres Fundortes wird diese Mühle als Erzmühle gedeutet. Diese Art von Handmühlen wurde im Mittelalter allerdings auch als Öl- und Getreidemühle verwendet.

Die Handmühle wurde zwischen den Jahren 2005-2008 im Bereich einer Haspelkammer innerhalb eines vermutlichen Tagesschachts in 18 bis 20 Tiefe unter dem Obertorplatz in Dippoldiswalde geborgen und 2017 dem Landesamt für Archäologie Sachsen übergeben.

Warum das Ganze?

Vor dem Schmelzen musste das gewonnene Erz vom tauben Gestein befreit, klein gepocht und nach der Qualität sortiert werden. Eine erste Vorsortierung erfolgte bereits unter Tage. Über Tage ging die Erzaufbereitung weiter. Das Erzgut wurde weiter zerkleinert, gewaschen und geröstet, damit es mürbe wird und damit ungewünschte Bestandteile wie Schwefel entweichen. Um einen feineren Mahlgrad zu erreichen, wurde das Erz nun gemahlen. Dazu wurden verschiedene Arten von Erzmühlen genutzt. Sie wurden durch Wasserkraft oder Muskelkraft der Tiere oder Menschen betrieben.

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